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Gemeinsam gewachsen – Fatima & Sarina im Mentoring
Story of Change von Mentorin Sarina zu ihrer gemeinsamen Zeit mit Mentee Fatima
Als ich mein Mentee kennenlernte, war sie ein schüchternes Mädchen und in vielen Alltagssituationen unsicher. Sie hatte Schwierigkeiten, sich in der Schule einzufinden, und hatte wenig soziale Kontakte. Außerdem berichtete sie mir immer wieder von Streitereien mit anderen Kindern. Auch schulisch hatte sie Herausforderungen, insbesondere in Mathematik und Deutsch. Sie hatte beispielsweise Schwierigkeiten, dem Mathematikunterricht zu folgen.
Eine weitere große Herausforderung war ihre Angst vor der Straße und vor öffentlichen Verkehrsmitteln. Beim ersten Treffen traute sie sich zunächst nicht, allein auf der Straße zu laufen, da sie zuvor gehört hatte, wie gefährlich die Straße sein könne. Sie wollte immer meine Hand halten, um sich sicherer zu fühlen. Auch der Weg zur Bahn oder das Fahren mit dem Fahrstuhl waren für sie mit Ängsten verbunden. Sie hatte unter anderem Angst, verloren zu gehen oder nicht mehr zu wissen, wo sie aussteigen musste.
Ich selbst war als Kind ebenfalls sehr schüchtern und konnte deshalb ihre Gefühle und Ängste gut nachvollziehen. Auch aus meiner eigenen Schulzeit kannte ich Schwierigkeiten, beispielsweise im Mathematikunterricht. Ich wusste daher, wie herausfordernd ein Fach sein kann, wenn man nicht die passende Unterstützung bekommt.
Diese persönlichen Erfahrungen haben mir geholfen, geduldig auf mein Mentee einzugehen und ihre Ängste ernst zu nehmen. Ich wollte ihr vermitteln, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein ist und dass sie neue Situationen Schritt für Schritt bewältigen kann. Dabei war mir wichtig, ihr Sicherheit zu geben, ohne ihr alles abzunehmen.
Schon beim ersten Treffen wurde deutlich, wie unsicher mein Mentee in unbekannten Situationen war. Sie wollte beim Laufen auf der Straße meine Hand halten und möglichst sehr nah neben mir bleiben. Ich versicherte ihr, dass ich auf sie aufpassen und darauf achten würde, dass ihr nichts passiert. Bereits bei den nächsten Treffen konnte sie zunehmend alleine neben mir laufen, ohne meine Hand zu halten oder ganz nah bei mir bleiben zu müssen. Auch auf dem Weg zum Bahnhof war sie anfangs sehr aufgeregt. In den ersten Wochen liefen wir deshalb immer Hand in Hand zum Bahnhof. Besonders der Fahrstuhl zur S-Bahn machte ihr Angst. Sie hatte die Vorstellung, dass beim Fahren mit dem Fahrstuhl etwas passieren könnte. Ich wollte sie in diesen Situationen besonders stärken, da ich merkte, wie sehr ihre Unsicherheit sie im Alltag einschränkte. Gleichzeitig wollte ich ihr zeigen, dass sie ihre Ängste nicht sofort überwinden muss, sondern sich langsam und in ihrem eigenen Tempo an neue Situationen gewöhnen darf.
Wir stellten uns ihren Ängsten gemeinsam und in kleinen Schritten. Ich sprach mit ihr über ihre Sorgen und versicherte ihr, dass sie sicher ist und ich sie begleiten werde. Dabei versuchte ich, ihre Ängste nicht herunterzuspielen, sondern sie ernst zu nehmen und ihr gleichzeitig Mut zu machen. Beim Fahrstuhlfahren erklärte ich ihr, dass sie keine Angst haben müsse, da wir die Fahrt gemeinsam machen würden. Schon nach der ersten gemeinsamen Fahrt merkte sie, dass der Fahrstuhl nicht so gruselig war, wie sie ihn sich vorgestellt hatte. Sehr schnell wurde das Fahrstuhlfahren sogar zu einer ihrer Lieblingsaktivitäten. Sie wollte bald kaum noch die Treppen benutzen.
Auch das Fahren mit Bus und Bahn übten wir regelmäßig. Anfangs hielten wir uns dabei an den Händen. Nach und nach ermutigte ich sie, selbstständiger zu werden. Wir schauten gemeinsam auf die Fahrpläne und Abfahrtszeiten. Ich ließ sie ausrechnen, wie viele Minuten wir noch auf den nächsten Bus oder die nächste Bahn warten mussten. Dadurch verbanden wir eine Alltagssituation mit kleinen Rechenaufgaben und übten gleichzeitig Mathematik.
Während der Fahrt zählte mein Mentee die Stationen mit und las die Namen der Haltestellen vor. Ich ließ sie möglichst viel selbst machen und unterstützte sie nur, wenn sie Hilfe brauchte. So konnte sie langsam lernen, sich zu orientieren, Fahrpläne zu verstehen und selbst einzuschätzen, wann wir ein- oder aussteigen mussten. Mir war wichtig, dass sie nicht das Gefühl bekommt, etwas nicht zu können. Stattdessen wollte ich ihr zeigen, dass sie mit Übung und Geduld Fortschritte machen kann.
Im Laufe der acht Monate konnte ich eine deutliche Veränderung beobachten. Mein Mentee wurde selbstbewusster, ruhiger und selbstständiger. Sie traute sich zunehmend mehr zu und konnte sich besser auf neue Situationen einlassen.
Auch im sozialen Bereich veränderte sie sich. Sie fand neue Freundschaften, war weniger allein und freute sich zunehmend auf die Schule und ihre neuen Mitschülerinnen und Mitschüler. Sie lernte, ruhiger mit Konflikten umzugehen und sich stärker für sich selbst einzusetzen. Wir unterhielten uns viel über ihre Schulzeit und versuchten gemeinsam, Lösungen für ihre Probleme zu finden.
Durch den Kontakt mit ihrer Mutter konnte ich ebenfalls erkennen, dass sich ihre positive Entwicklung nicht nur während unserer Tandemtreffen zeigte. Ihre Mutter schickte mir beispielsweise gemalte Bilder von ihr. Auf diesen Bildern war zu erkennen, dass es ihr besser ging und sie sich wohler fühlte. Auch aus den Gesprächen mit ihrer Mutter erfuhr ich, dass mein Mentee glücklicher in der Schule war und sich auf ihre neuen Freundschaften und die neue Klassenstufe freute.
Ich denke, dass die regelmäßige gemeinsame Zeit, die Verlässlichkeit unserer Treffen und die vielen kleinen Erfolgserlebnisse dazu beigetragen haben, dass mein Mentee mehr Selbstvertrauen entwickeln konnte. Sie hat gelernt, dass sie neue und zunächst beängstigende Situationen bewältigen kann, wenn sie sich ihnen Schritt für Schritt stellt.
Besonders wichtig war dabei, dass sie die Erfahrungen nicht alleine machen musste. Ich konnte ihr Sicherheit geben und sie ermutigen, gleichzeitig aber auch darauf achten, dass sie immer mehr selbst übernimmt. Dadurch konnte sie erleben, dass sie selbst etwas schaffen kann.
Ich glaube, dass diese Erfahrungen auch über die Tandemzeit hinaus Wirkung zeigen werden. Mein Mentee weiß nun, dass sie Ängste überwinden und neue Dinge lernen kann. Sie hat gelernt, sich besser zu orientieren, selbstständiger zu handeln und sich mehr zuzutrauen. Auch ihre neuen Freundschaften und ihre positivere Einstellung zur Schule können ihr weiterhin Sicherheit geben.
Für mich persönlich war die Tandemzeit ebenfalls sehr wertvoll. Ich habe gelernt, wie wichtig Geduld, Vertrauen und kleine Schritte sind. Besonders schön war es für mich zu sehen, wie aus einem anfangs sehr unsicheren Mädchen ein selbstbewussteres Kind wurde, das sich zunehmend mehr zutraut und Freude an neuen Erfahrungen entwickelt hat.
Wir freuen uns sehr, dass die gemeinsame Zeit im Mentoring für Mentee Fatima und Mentoring Sarina so viel Positives bewirkt hat. Solche Geschichten sind unser Ansporn, weiterzumachen und Begegnungen wie diese zu ermöglichen. ❤️
Das Mentoring-Programm von kein Abseits! läuft in den Berliner Bezirken Reinickendorf und Lichtenberg und startet zweimal im Jahr einen neuen Durchgang. Engagierte Mentor*innen werden fortlaufend gesucht. Der nächste Durchgang startet Mitte November 2026 und es befinden sich noch viele Kinder auf der Warteliste, die sich eine*n Mentor*in wünschen. Wer Interesse hat, kann sich hier informieren und bewerben.