Erfahrungsberichte
Februar 25th, 2013von VerenaUnsere Mentorin Linn berichtet von ihren Erfahrungen bei kein Abseits!
Projektdurchgang 2011/2012

Insgesamt bin ich sehr, sehr glücklich diese Erfahrung bei kein Abseits! gemacht zu haben. Ihr habt ein tolles Projekt auf die Beine gestellt und bringt Menschen zusammen, die sich unter normalen Umständen nicht getroffen hätten.
Ich schloss meine Mentee von Anfang an in mein Herz. Ich sah, dass sie große schulische Probleme hatte und wollte ihr helfen, diese zu beseitigen. Schnell stellte ich fest, dass es vor allem darum ging, meiner Mentee zu zeigen, wie man lernt und sich konzentriert. Sie ist ein sehr intelligentes Mädchen, hatte aber nie gelernt zu lernen, da ihr auch niemand über die Schulter schaute und sie motivierte. Dem Papa kann man da nichts vorwerfen. Er arbeitet viel und hart. Hinzu kommt, dass er auch die deutsche Sprache nicht so gut beherrscht.
Mit der Zeit konnte ich auch sehen, dass meine Mentee wenig Selbstbewusstsein besitzt und es auch in ihrer Klasse nicht leicht hat. So versuchte ich gerade in der zweiten Hälfte des Schuljahres, viele Gespräche mit ihr zu führen, sie zu motivieren, ihr zu zeigen, was für ein tolles Mädchen sie ist. Ich wollte teilhaben an ihren Problemen und Sorgen. Dabei fühlte ich mich selbst in meine Kindheit zurückversetzt und konnte ihre Ängste verstehen. Es war mir sehr wichtig, dass sie sich ernst genommen fühlte. Wenn man Kind ist, neigen leider viele Erwachsene dazu, bei Problemen abzuwinken und es mit einem „das wird schon wieder“ zu kommentieren. Genau das wollte ich nicht.
Zum Anfang war ich etwas verwirrt, wie meine Mentee schon nach kurzer Zeit mich immer in den Arm nahm und mir immer mitteilte, wie sehr sie mich lieb hat. Ich hatte Angst, dass sie sich zu sehr an mich bindet. Es lag wohl auch daran, dass ich selber als Kind nie so offen war und eher misstrauisch Menschen gegenüber. Ihre Unvoreingenommenheit mir gegenüber finde ich ihm Nachhinein wunderbar. Ich habe durch sie gelernt, dass man Menschen mit einer Offenheit und Zuneigung ohne Vorurteile begegnen kann. Etwas, dass man trotz guter Voraussätze, nicht immer schafft.
Wir hatten wunderschöne Momente zusammen, in denen wir gelacht haben, kreativ waren und uns gegenseitig bereichert haben.
Ich hoffe, meine Mentee hat gelernt, selbstbewusster zu sein und sich so zu akzeptieren, wie sie ist. Ich möchte sie weiterhin auf ihrem Lebensweg begleiten und für sie da sein. Danke, dass ich durch euer wunderbares Projekt, meine Mentee kennen gelernt habe!
Ein weiterer Erfahrungsbericht von Katharina
Projektdurchgang 2011/2012

Auf den neuen Plakaten von kein Abseits! springt einem in roter Schrift die Frage „Bist du eine Mentorin?“ entgegen. Hätte ich mir diese Frage zu Beginn des Projekts gestellt, ich weiß nicht, wie meine Antwort gewesen wäre. Ich hatte immer schon mit Kindern zu tun, mit Gruppen während meiner Pfadfinderzeit, beim Babysitten etc., aber Mentoring ist etwas anderes.
Man begibt sich gemeinsam mit seinem Mentee auf eine Reise, ohne zu wissen, wohin genau es geht. Diesen Raum an Möglichkeiten gilt es zu füllen. Keine leichte Aufgabe aus so unglaublich vielen Themen und Aktivitäten, die auszuwählen, die dem Mentee und dem Mentor Freude bereiten. Am Anfang hatte ich in der gemeinsamen Zeit mit meinem Mentee den Anspruch an mich eine ganz starke Ordnung in unsere Treffen zu bringen: Durch Rituale und einen roten Faden wollte ich ihr Sicherheit und Berechenbarkeit bieten. Ich glaube, dass das eines der Dinge ist, die ich ihr gerne vermitteln wollte: Zuverlässigkeit und Kontinuität. Ich habe gemerkt, wie ich, wenn ich mit ihr zusammen war, mich viel mehr kontrollierte und bewusster handelte, immer im Hinterkopf, dass ich ja ein Vorbild sein wollte. Doch mit der Zeit stellte ich fest, dass es nicht nur die Struktur ist, die eine Beziehung zum anderen entstehen lässt. Mein Mentee hatte oft seinen eigenen Kopf, was das Programm angeht und durch ihre Reaktionen und Stimmungen musste ich spontan reagieren oder auch überlegen, wie ich zum Bespiel auf ihr Austesten von Grenzen antworten wollte. Die Zeit, die wir beide miteinander verbracht haben, war immer eine Klammer in meinem Alltag, der sonst von so vielen Einzelteilen und Bausteinen bestimmt ist: Arbeit, Studium, Freunde und fast schon Freizeitstress.
Da waren diese zwei Stunden jede Woche wie eine Erinnerung daran, dass ich die Welt auch aus einer anderen Perspektive sehen kann. Ich habe mich immer mehr auch emotional in meinen Mentee eingedacht, was nicht immer nur schön und schmerzfrei war. In unseren Gesprächen habe ich einige Male auch ihre Sorgen und Ängste herausgehört und konnte meist nicht mehr als zuhören und Fragen stellen, Verständnis zeigen oder einfach sagen: „Du bist so stark, du kannst auch solche Momente aushalten und überstehen“. Gerade Streit mit den Freundinnen oder Bedürfnisse, die in ihrer Familie schwer zu befriedigen waren, haben mich manchmal sehr belastet. Eigentlich ist es ja nicht sooo lange her, dass man selbst noch ein kleines Mädchen war, aber man vergisst doch sehr schnell wie essentiell in diesem Alter die Zeit mit der besten Freundin ist oder wie viel Spaß die einfachen Dinge des Lebens gemacht haben und wie gerne man zur Schule gegangen ist.
Wer weiß wie sich mein Mentee in ein paar Jahren an unsere Tandem erinnern wird. Ich bin jedenfalls sehr froh, ein so tolles aufgewecktes Mädchen kennengelernt zu haben. Was meine eigenen Ansprüche angeht, habe ich gemerkt, dass ich oft zu viel wollte, was sie und mich betrifft: Ich konnte vielleicht (oder hoffentlich) bestimmte Impulse geben, aber weiß auch, dass sie sicherlich ihren ganz eigenen Weg gehen wird.
Ob sie nun Ärztin, Lehrerin, Sängerin, Schauspielerin, Reiseleiterin oder sonst was wird ist dann letztlich egal. Schön wäre es, wenn sie durch kein Abseits! und durch mich mitnehmen konnte, dass in ihr sehr viele Potenziale und Talente stecken und dass sie selbst gestalten kann und nicht alles hinnehmen muss, was ihr vorgesetzt wird. Ich werde sie als unglaublich positiven Menschen in Erinnerung behalten und hoffentlich auch wiedersehen.
