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Erfahrungsberichte

Februar 25th, 2013von

Erfahrungsbericht von Mentorin Mascha
Mascha ist 25 Jahre alt und studiert Psychologie

Am Anfang hatte ich einige Bedenken: mich für die Dauer eines Schuljahres dazu zu verpflichten, mich einmal wöchentlich mit einem Kind zu treffen, mit dem ich mich vielleicht überhaupt nicht verstehen würde? Das mich ‚uncool‘ finden oder meine Grenzen austesten würde? Zeit und Energie aufbringen, obwohl Studium, Job, (Fern-)Beziehung, Familie, Freunde, etc. pp. auch ohne zusätzliche freiwillige Verpflichtungen kaum unter einen Hut zu bringen sind? Ganz von der Hand weisen kann ich es noch immer nicht: es war nicht leicht, wöchentlich die Zeit für ein mindestens zweistündiges Treffen freizuhalten. Manches Mal hetzte ich nach der Uni/Arbeit oder zwischen zwei Terminen zu ihr, um sie gerade eben noch pünktlich abzuholen, etwas mit ihr zu unternehmen und sie zu guter Letzt wieder nach Hause zu bringen. Im Zweifel schlumpfte Aleyna bei meiner Ankunft gerade noch im Schlafanzug durch die Gegend, obwohl mein genial ausgeklügelter Zeitplan vorsah, dass wir schon (am besten vor zehn Minuten!) hätten in der U-Bahn sitzen sollen. Am Anfang haben wir viel Zeit damit verbracht darüber zu brüten, was wir uns alles für unsere Treffen vornehmen wollen und ich habe mir erst beim Vorschläge-Machen den Mund fusselig geredet und eine Strategie nach der anderen ausprobiert, um aus Aleyna herauszukitzeln, was sie sich für unsere Tandemzeit wünschen würde. Mein größtes Problem bestand nämlich wider Erwarten nicht ansatzweise darin, einem beginnend-pubertierenden Mädchen Grenzen aufzuzeigen, sondern ein ziemlich introvertiertes bis schüchternes Mädchen dazu zu bringen, mir zu sagen, wozu sie Lust hat und wozu eben auch nicht (und es hat es nur bedingt leichter gemacht, dass ich selbst früher ganz genauso war…). Nach ein paar Treffen hatte ich zweierlei verstanden: dass es ausnahmsweise mal nicht um Effizienz und gute Organisation gehen muss und dass wir anstelle genauer Planung vor allem eins brauchen, und zwar Zeit und Ruhe, einander kennenzulernen. Ich habe also angefangen, mich mehr auf die jeweilige Situation einzulassen, mehr auf mich zukommen zu lassen. So haben wir viel Schönes zusammen erlebt: mal hat uns Aleynas Mutter Meryem spontan mit Tee bewirtet und gleich den gesamten Wohnzimmertisch mit einer Auswahl von Kuchen und Keksen gedeckt, mal haben wir kurzentschlossen auf einem Berliner Kinderbauernhof einen Nistkasten gezimmert, stundenlang an einem Kostüm für das kein Abseits!-Faschingsfest gebastelt oder sind einfach nur in den Rehbergen spazieren gegangen. Andererseits hat diese „Planlosigkeit“ rückblickend auch dazu geführt, dass ich Aleyna wenig gezielt beigebracht habe und es mir darum auch schwerfällt zu formulieren, was sie – mit Ausnahme von ein paar französischen Vokabeln – konkret von mir gelernt hat. Trotzdem glaube ich, dass jede von uns das Leben der anderen bereichert hat, und sei es nur um eine Begegnung, die so sonst nicht zustande gekommen wäre. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr entspricht das eigentlich auch meinem Verständnis von Mentoring: ein Begleiter zu sein, aber meinen Schützling / Mentee nicht als meiner Hilfe ‚bedürftig‘ zu verstehen, sondern vielmehr festzustellen, wie viel man durch beobachten, zuhören und gemeinsame Erfahrungen gegenseitig voneinander lernen kann. Und das ohne die ganze Beziehung mit Macht darauf auszurichten. Dieses „Sich-Einlassen“ und der Versuch, die Welt mit Aleynas Augen – und zum Teil auch denen ihrer Mutter – zu sehen, war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich.

Es gibt sicher noch das eine oder andere, was ich im Nachhinein anders machen würde. So haben wir manches geplant und nicht umgesetzt (Radtour, Federball spielen, Museumsbesuch), anderes angefangen (ein Buch gemeinsam ausgesucht und begonnen, zu lesen; uns gegenseitig Französisch- und Türkischvokabeln beigebracht), aber ob der begrenzten Zeit nicht weiter verfolgt. Ich würde darum jeder neuen Mentorin mitgeben: weniger ist manchmal wirklich mehr! Ich bin sehr froh, Aleyna (und ihre Mutter) kennengelernt zu haben und hoffe, wir bleiben weiter in Kontakt. Aus dem Keller meiner Eltern habe ich schonmal mein altes Kinderfahrrad geholt, um es wieder flott zu machen – vielleicht klappt es mit der Fahrradtour ja doch noch!

 

10 Jahre Zeitreise!
Rückblick auf meine Zeit bei kein Abseits! e.V. von Mentorin Jessica
Projektdurchgang 2012/2013

Als meine Mentee Nathalie und ich uns im November 2012 kennenlernten, war dies ein ganz besonderer Moment für uns beide. Zunächst war Nathalie noch recht schüchtern, aber sehr schnell entdeckten wir Gemeinsamkeiten wie den Spaß am Fußballspielen und kamen so ins Gespräch. Im Laufe der nächsten Wochen bekam ich immer mehr Einblicke in Nathalies Leben und Interessen. Vor allem die erste Zeit kam mir vor wie eine Zeitreise ca. 10 Jahre in meine eigene Vergangenheit! Ich sah so viele Parallelen zwischen Nathalie und mir: Wir beide spielen unglaublich gerne Fußball, ich habe damals auch in jeder Pause (vor allem mit Jungs) Fußball gespielt. So wie auch Nathalie war ich damals sehr gut in der Schule und musste kaum lernen. Das bedeutet auch, dass wir während unserer wöchentlichen Treffen in der Schule auch Zeit für andere Dinge als Hausaufgaben und Lernen hatten. So begannen wir meist unsere Treffen mit der Diskussion der Ergebnisse und Spiele des aktuellen Bundesliga Spieltags. Dann blieb uns immer noch Zeit selber Fußball zu spielen, oder aber auch anderen Aktivitäten nachzugehen. Ein besonderes Highlight war für uns beide der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz in der letzten Schulwoche vor den Ferien. Dort haben wir uns gemeinsam überwunden und sind zusammen die große Schneerutsche hinuntergerutscht. Anschließend war noch Zeit uns dort alles anzusehen und noch gemeinsam zu Essen.

Was für mich besonders war an meiner Zeit als Mentorin ist, dass die Aktivität als Mentorin mit meinem Studiengang (Wirtschaftsingenieurwesen) nichts zu tun hatte. Aber gerade deshalb hat es mir umso mehr Spaß gemacht mich mit meinem Mentee zu treffen, da die Zeit mit Nathalie eine sehr spannende und erlebnisreiche Abwechslung von meinem Uni- Alltag war. Das Projekt gab mir somit die Möglichkeit für ein paar Stunden in der Woche all meinen Stress zu vergessen und etwas zurück in meine eigene Kindheit zu reisen. Aber gleichzeitig habe ich auch gemerkt wie die Tätigkeit mich auch in meinen kommunikativen und pädagogischen Fähigkeiten forderte und förderte. Durch die Schulungen zu Beginn des Projektes habe ich in der Hinsicht viel gelernt, was mir beim Umgang mit meinem Mentee geholfen hat. So konnten wir auch kleinere Probleme gut überwinden. Außerdem haben mir die Schulungen und Treffen geholfen meinem Mentee auch mal die Grenzen aufzuweisen wenn es nötig war.

Ich denke, dass sowohl ich als auch mein Mentee uns beide durch das Projekt sehr stark in unseren kommunikativen aber auch sozialen Fähigkeiten weiterentwickelt haben. Nathalie hat sich mir mit der Zeit immer mehr geöffnet und auch von sich aus Probleme oder bestimmte Themen die sie beschäftigten angesprochen. Ich denke, wir haben durch das Projekt jeder eine gute Freundin dazugewonnen. Und so werden wir uns auch in Zukunft sicher mal zum Fußballschauen im Olympiastadion oder anderen Treffen verabreden.

Insgesamt hat mir die Tätigkeit als Mentorin bei Kein Abseits! e.V. sehr viel Spaß gemacht und ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen, weil man nicht nur über andere Menschen spannende Dinge lernt, sondern auch über sich selbst!

 

Unsere Mentorin Linn berichtet von ihren Erfahrungen bei kein Abseits!

Projektdurchgang 2011/2012

Insgesamt bin ich sehr, sehr glücklich diese Erfahrung bei kein Abseits! gemacht zu haben. Ihr habt ein tolles Projekt auf die Beine gestellt und bringt Menschen zusammen, die sich unter normalen Umständen nicht getroffen hätten.

Ich schloss meine Mentee von Anfang an in mein Herz. Ich sah, dass sie große schulische Probleme hatte und wollte ihr helfen, diese zu beseitigen. Schnell stellte ich fest, dass es vor allem darum ging, meiner Mentee zu zeigen, wie man lernt und sich konzentriert. Sie ist ein sehr intelligentes Mädchen, hatte aber nie gelernt zu lernen, da ihr auch niemand über die Schulter schaute und sie motivierte. Dem Papa kann man da nichts vorwerfen. Er arbeitet viel und hart. Hinzu kommt, dass er auch die deutsche Sprache nicht so gut beherrscht.

Mit der Zeit konnte ich auch sehen, dass meine Mentee wenig Selbstbewusstsein besitzt und es auch in ihrer Klasse nicht leicht hat. So versuchte ich gerade in der zweiten Hälfte des Schuljahres, viele Gespräche mit ihr zu führen, sie zu motivieren, ihr zu zeigen, was für ein tolles Mädchen sie ist. Ich wollte teilhaben an ihren Problemen und Sorgen. Dabei fühlte ich mich selbst in meine Kindheit zurückversetzt und konnte ihre Ängste verstehen. Es war mir sehr wichtig, dass sie sich ernst genommen fühlte. Wenn man Kind ist, neigen leider viele Erwachsene dazu, bei Problemen abzuwinken und es mit einem „das wird schon wieder“ zu kommentieren. Genau das wollte ich nicht.

Zum Anfang war ich etwas verwirrt, wie meine Mentee schon nach kurzer Zeit mich immer in den Arm nahm und mir immer mitteilte, wie sehr sie mich lieb hat. Ich hatte Angst, dass sie sich zu sehr an mich bindet. Es lag wohl auch daran, dass ich selber als Kind nie so offen war und eher misstrauisch Menschen gegenüber. Ihre Unvoreingenommenheit mir gegenüber finde ich ihm Nachhinein wunderbar. Ich habe durch sie gelernt, dass man Menschen mit einer Offenheit und Zuneigung ohne Vorurteile begegnen kann. Etwas, dass man trotz guter Voraussätze, nicht immer schafft.

Wir hatten wunderschöne Momente zusammen, in denen wir gelacht haben, kreativ waren und uns gegenseitig bereichert haben.

Ich hoffe, meine Mentee hat gelernt, selbstbewusster zu sein und sich so zu akzeptieren, wie sie ist. Ich möchte sie weiterhin auf ihrem Lebensweg begleiten und für sie da sein. Danke, dass ich durch euer wunderbares Projekt, meine Mentee kennen gelernt habe!

 

Ein weiterer Erfahrungsbericht von Katharina

Projektdurchgang 2011/2012

Auf   den   neuen   Plakaten   von   kein   Abseits!   springt   einem   in roter  Schrift   die   Frage   „Bist   du   eine   Mentorin?“   entgegen.   Hätte  ich   mir  diese   Frage   zu   Beginn   des   Projekts   gestellt,   ich   weiß   nicht,   wie   meine Antwort gewesen wäre. Ich hatte immer schon mit Kindern zu tun, mit Gruppen während meiner Pfadfinderzeit, beim Babysitten etc., aber Mentoring ist etwas anderes.

Man begibt sich gemeinsam mit seinem Mentee auf eine Reise, ohne zu wissen, wohin genau es geht. Diesen Raum an Möglichkeiten gilt es zu füllen. Keine leichte Aufgabe aus so unglaublich vielen Themen und Aktivitäten, die auszuwählen, die dem Mentee und dem Mentor Freude bereiten. Am Anfang hatte ich in der gemeinsamen Zeit mit meinem Mentee den Anspruch an mich eine ganz starke Ordnung in unsere Treffen zu bringen: Durch Rituale und einen roten Faden wollte ich ihr Sicherheit und Berechenbarkeit bieten. Ich glaube, dass das eines der Dinge ist, die ich ihr gerne vermitteln wollte: Zuverlässigkeit und Kontinuität. Ich habe gemerkt, wie ich, wenn ich mit ihr zusammen war, mich viel mehr kontrollierte und bewusster handelte, immer im Hinterkopf, dass ich ja ein Vorbild sein wollte. Doch mit der Zeit stellte ich fest, dass es nicht nur die Struktur ist, die eine Beziehung zum anderen entstehen lässt. Mein Mentee hatte oft seinen eigenen Kopf, was das Programm angeht und durch ihre Reaktionen und Stimmungen musste ich spontan reagieren oder auch überlegen, wie ich zum Bespiel auf ihr Austesten von Grenzen antworten wollte. Die Zeit, die wir beide miteinander verbracht haben, war immer eine Klammer in meinem Alltag, der sonst von so vielen Einzelteilen und Bausteinen bestimmt ist: Arbeit, Studium, Freunde und fast schon Freizeitstress.

Da waren diese zwei Stunden jede Woche wie eine Erinnerung daran, dass ich die Welt auch aus einer anderen Perspektive sehen kann. Ich habe mich immer mehr auch emotional in meinen Mentee eingedacht, was nicht immer nur schön und schmerzfrei war. In unseren Gesprächen habe ich einige Male auch ihre Sorgen und Ängste herausgehört und konnte meist nicht mehr als zuhören und Fragen stellen, Verständnis zeigen oder einfach sagen: „Du bist so stark, du kannst auch solche Momente aushalten und überstehen“. Gerade Streit mit den Freundinnen oder Bedürfnisse, die in ihrer Familie schwer zu befriedigen waren, haben mich manchmal sehr belastet. Eigentlich ist es ja nicht sooo lange her, dass man selbst noch ein kleines Mädchen war, aber man vergisst doch sehr schnell wie essentiell in diesem Alter die Zeit mit der besten Freundin ist oder wie viel Spaß die einfachen Dinge des Lebens gemacht haben und wie gerne man zur Schule gegangen ist.

Wer weiß wie sich mein Mentee in ein paar Jahren an unsere Tandem erinnern wird. Ich bin jedenfalls sehr froh, ein so tolles aufgewecktes Mädchen kennengelernt zu haben.
Was meine eigenen Ansprüche angeht, habe ich gemerkt, dass ich oft zu viel wollte, was sie und mich betrifft: Ich konnte vielleicht (oder hoffentlich) bestimmte Impulse geben, aber weiß auch, dass sie sicherlich ihren ganz eigenen Weg gehen wird.

Ob sie nun Ärztin, Lehrerin, Sängerin, Schauspielerin, Reiseleiterin oder sonst was wird ist dann letztlich egal. Schön wäre es, wenn sie durch kein Abseits! und durch mich mitnehmen konnte, dass in ihr sehr viele Potenziale und Talente stecken und dass sie selbst gestalten kann und nicht alles hinnehmen muss, was ihr vorgesetzt wird. Ich werde sie als unglaublich positiven Menschen in Erinnerung behalten und hoffentlich auch wiedersehen.

 

 

 

 

 

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